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Schrittmacher reguliert unhaltbaren Toilettendrang

End- und Dickdarmzentrum Münster

Operationsverfahren erfolgreich bei schwerer Stuhlinkontinenz

Der Koloproktologe Dr. Matthias Kemmerling bei der Nachbesprechung mit Patientin Annette V., die durch die Sakralnervenstimulation an Lebensqualität gewonnen hat.

Beim Einkauf im Supermarkt von jetzt auf gleich alles stehen und liegen zu lassen und eilig das Geschäft zu verlassen, gehörte zum Alltag von Annette v. (Name geändert). Der Grund ist für all jene, die schwere Formen von Inkontinenz nicht kennen, kaum vorstellbar: Bis zu zehn Mal am Tag entleerte sich der Darm der 47-Jährigen schlagartig. „Da gab es kein Halten mehr“, erzählt sie, „trotz Windeln. Was austrat, lief einfach die Beine herunter.“

2006 erkrankte Annette V. an Krebs. Ein Tumor am Beckenrand wurde beseitigt. Die anschließenden Bestrahlungen schädigten den Darm und die Schließmuskelfunktion. Ihren Beruf als Busfahrerin konnte sie gerade einmal zwei Stunden am Vormittag ausüben. Immer in Windeln, immer in Angst, immer mit einer Tasche mit Ersatzbekleidung, Wasch- und Desinfektionsmitteln, Handtüchern, Mülltüten. „Natürlich hörte und roch mein Umfeld, wenn es wieder einmal passierte“, sagt Annette V., und sie trat die Flucht nach vorne an. Unterstützt vom Ehemann und ihren beiden 17- und 21-jährigen Söhnen entschloss sie sich zur Offenheit, sprach mit Bekannten und Freunden auch über das dauernde Wundsein in diesem sensiblen Körperbereich, dass sie kaum noch die Berührung mit dem Waschlappen ertrug und sich trocken föhnte. Sie verzichtete konsequent auf Milchprodukte, die offensichtlich noch zur Reizung beitrugen und probierte alle erdenklichen konservativen Heilmethoden wie Beckenbodengymnastik, Reizstromtherapie oder auch Analtampons. Nichts half.

In der Enddarmpraxis der Dres. Tübergen/ Kemmerling/Raulf wollte Annette V. sich nun nach den verbleibenden Möglichkeit erkundigen, die ihre Situation verbessern könnten. Der Koloproktologe Dr. Matthias Kemmerling, Kooperationspartner des Herz- Jesu-Krankenhauses Münster-Hiltrup, schlug ein Verfahren vor, das in Münster bislang nur bei der Therapie der Harninkontinenz eingesetzt wurde: die Sakralnervenstimulation.
„Während eines kleinen Eingriffs in Narkose wird eine feine Elektrode behutsam durch die natürlichen Öffnungen des Kreuzbeins an den Sakralnerven geführt. Es wird dann das entsprechende Nervensegment stimuliert, das die Schließmuskeltätigkeit regelt“, erläutert Dr. Kemmerling die Methode. „Noch während der OP kann durch Stimulierung die richtige Positionierung kontrolliert werden. Um den Erfolg vor Implantierung des endgültigen Schrittmachers unter die Haut zu testen, trägt die Patientin das kleine Gerät zunächst 2 Wochen am Gürtel. In dieser Zeit wird dann genau festgehalten, ob sich eine Besserung der Inkontinenz einstellt. “

Auch später im Körper lässt sich der Schrittmacher per Fernbedienung so lange fein einstellen, bis eine optimale Stimulation des Schließmuskels erreicht ist.
Mehr als das sorgfältig geführte Stuhltagebuch von Annette V. belegt ihre Freude und die sichtbare Erleichterung den deutlichen Erfolg. „Neulich habe ich den im Drogeriemarkt empfundenen Stuhldrang bis nach Hause kontrollieren können“, strahlt sie. „Ich muss nach all den Jahren der psychischen Belastung nun einfach üben und vertrauen. Und diesen Sommer gibt es für mich endlich wieder meine geliebte Knoblauchsoße.“ | KMA

Quelle: Das Magazin des Herz-Jesu-Krankenhauses Münster-Hiltrup, HERZSCHLAG 12, S. 17, OP-Verfahren, KMA