20.05.2012


Hämorrhoidalleiden

Pathogenese und Symptome

Bei den Hämorrhoiden handelt es sich um arteriovenöse Gefäßpolster, die das Corpus cavernosum recti bilden. Es dient als Schwellkörper zur Feinregulation der Kontinenz und ist ein Bestandteil des Kontinenzapparats. Die Blutversorgung erfolgt arteriell aus Ästen der Arteria rectalis superior; der venöse Abstrom erfolgt durch den M. sphincter ani internus in intersphinktäre Sammelvenen. Der M. sphincter ani internus reguliert somit den Füllungszustand des Hämorrhoidalplexus.

Das Hämorrhoidalleiden entwickelt sich bei einer Vergrößerung und Distalverlagerung des Gefäßplexus.

Stadieneinteilung des Hämorrhoidalleidens

  • Stadium I: Polster sind nur proktoskopisch sichtbar.
  • Stadium II: Knoten prolabieren bei Defäkation, retrahieren sich spontan.
  • Stadium III: Prolaps bei Defäkation, nur digital zu reponieren.
  • Stadium IV: Prolaps inkarzeriert und thrombosiert, stark schmerzhaft.

Unter unphysiologischen Defäkationsbedingungen (durch vermehrtes Pressen) kommt es zu einer anhaltenden Traumatisierung des fibromuskulären Aufhängeapparats und konsekutiv zu einer Eventration (Vorfallen) der Polster. Weitere Ursachen der Gefügestörung (“Bindegewebsschwäche”, Schwangerschaften, konstitutionelle Faktoren) im Analkanal werden diskutiert.

Die Symptomatologie des Hämorrhoidalleidens ist im Wesentlichen von Symptomen wie Blutung, Pruritus und eher selten von Schmerzen (bei Thrombosierungen im Stadium IV) geprägt.

Therapie

Ziel der Therapie sollte die Beseitigung von Symptomen und nicht die Beseitigung des gesamten Hämorrhoidalplexus sein, da er ein wichtiger Bestandteil des Kontinenzorgans ist. Häufig sind bereits einfache konservative Maßnahmen wie das Vermeiden zu starken Pressens sowie stuhlregulatorische Maßnahmen zur Erreichung eines geformten Stuhls durch Umstellen der Ernährung wirksam.

Die Gabe von Laxanzien erscheint nicht effektiv, da ein flüssiger bis breiiger Stuhl keine ausreichende Füllung der Rektumampulle bewirkt und so die reflexhafte Relaxation des M. sphincter ani internus unterbleibt. Zur symptomatischen Therapie sind auch Salben und mit Mull armierte Suppositorien gut geeignet. Die Wirkstoffe sollten inert sein; bei Schmerzen sind Lokalanästhetika geeignet.

Weitergehende Therapiemaßnahmen, die stadienadaptiert zur Anwendung kommen sind:

  • die Sklerosierungstherapie;
  • die Behandlung durch elastische Gummibandligaturen;
  • operative Verfahren (in fortgeschrittenen Stadien, also spätestens bei irreponiblen Hämorrhoidalvorfällen) mit offenen oder geschlossenen Techniken, Hämorrhoidopexie nach Longo.
 

ÄRZTLICHE PRAXIS: Zertifizierte Fortbildung
Proktologische Erkrankungen

Dr. med. Matthias Kemmerling, Facharzt für Chirurgie, Visceralchirurgie und Proktologie, früher Oberarzt der Chirurgischen Klinik II, Koloproktologie, Raphaelsklinik Münster
Dr. med. Franz Raulf, Chefarzt Chirurgie, Koloproktologie, Raphaelsklinik Münster.

in Zusammenarbeit mit der Landesärztekammer Westfalen-Lippe und MEDICA Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Medizinischen Diagnostik e. V.,
auch als PDF-Download (206 KB) und bei www.aerztlichepraxis.de