Analfistel und Analabszess
Diagnostik Morbus Crohn
Die Diagnose des M. Crohn stützt sich auf den Nachweis einer Gruppe von Symptomen, die makroskopisch (diskontinuierliche Entzündung, Ileumbeteiligung) oder mikroskopisch (disproportionierte Entzündung, normaler Becherzellgehalt im entzündeten Darmabschnitt, Lymphfollikel in Mukosa und Submukosa), durch Röntgendarstellung oder endoskopisch im Bereich des Intestinaltrakts (enterokutane Fisteln) oder der äußeren Haut (fissurale Hautläsionen) verifiziert werden und die zudem über einen längeren Zeitraum (chronisches Analleiden) bestehen müssen. Es gibt kein iso- liertes Symptom oder einen einzel- nen Laborparameter, der das Vorliegen eines M. Crohn beweist.
Im Analbereich respektiert die Entzündung bei ihrer vertikalen Ausbreitungsrichtung die vorgegebenen Wandschichten und Spalträume nicht, wenngleich viele der Fisteln vorzugsweise im Bereich der Analkrypten beginnen. Die weitere Ausbreitungsrichtung erfolgt dann aber regellos, was die chirurgische Therapie problematisch macht.
Wichtig ist die Tatsache, dass der M. Crohn in bis zu 20 Prozent der Fälle seine Erstmanifestation mit einem Analbefall zeigt. In diesen Fällen kann der makroskopisch typische Befund wegweisend sein und, auch wenn er überraschenderweise angetroffen wird, bereits intraoperativ das chirurgische Konzept modifizierend beeinflussen (z.B. bei Fisteln: Fadendrainage statt Spaltung). Für die anschließende diagnostische Abklärung erscheint zumindest die totale Koloskopie mit Inspektion des terminalen Ileums oder auch ein CT oder eine Kernspintomographie zur Dünndarmdarstellung unerlässlich.
Dr. med. Matthias Kemmerling, Facharzt für Chirurgie, Visceralchirurgie und Proktologie, früher Oberarzt der Chirurgischen Klinik II, Koloproktologie, Raphaelsklinik Münster
Dr. med. Franz Raulf, Chefarzt Chirurgie, Koloproktologie, Raphaelsklinik Münster.
Erschienen in der “kontinenz aktuell” 2/2006, Juli Nr.39, Offizielles Organ der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V., www.kontinenz-gesellschaft.de.

