Abszesse und Fisteln
Pathogenese und Symptome
Der Abszess gehört als Akutmanifestation zum chronisch verlaufenden Fistelleiden. Ursächlich liegt eine Entzündung der Proktodäaldrüsen im intersphinktärischen Spalt vor.
Durch die Mündung des Ausführungsgangs in den Krypten an der Linea dentata ist der Abszessverlauf entlang der muskulären Strukturen des Analkanals vorgegeben. Abszesse und Fisteln bei Morbus Crohn unterliegen anderen Gesetzmäßigkeiten, da sie nicht kryptogenen Ursprungs sind.
Der typische Abszess ist entweder von außen sichtbar oder im Analkanal tastbar. Die auffällige Schmerzhaftigkeit und die oft tastbare Fluktuation oder Induration sind für die Diagnose richtungsweisend. Zur Diagnosesicherung kann eine Endosonographie durchgeführt werden.
Die Diagnostik der Analfistel erstreckt sich auf die Inspektion der Anal- und Perianalregion bezüglich möglicher Fistelostien. Mit verschiedenen Sonden (gerade, gebogen, 90°-Hakensonde) wird der Fistelgang sondiert und – soweit dies beim nicht narkotisierten Patienten möglich ist – zum Analkanal hin verfolgt.
Die Klassifizierung von Abszess und Fistel erfolgt entsprechend ihrer Beziehung zur Muskulatur. Am häufigsten sind intersphinktäre Fisteln mit Ausbildung perianaler Abszesse. Die transsphinktäre Fistel als zweithäufigste Entität kann zur Ausbildung eines ischiorektalen Abszesses führen. Komplexe Fistelsysteme und suprasphinktäre Fisteln sind eher selten. Hier kann eine Kernspintomographie Aufschluss über den Fistelverlauf geben.
Therapie
Die operative Therapie der Analfistel sollte in Kenntnis der Kontinenzfunktion die nachfolgend angegebenen Therapieziele verfolgen:
- Freilegen oder Exzidieren der Proktodäaldrüse;
- Öffnen des Hauptgangs;
- Drainieren der Nebengänge;
- minimale Sphinkterdurchtrennung;
- sichere Ausheilung;
- Vermeiden funktionsbehindernder Narben.
Die Standardoperation des Fistelleidens ist die Fistelspaltung. Zur postoperativen Wundversorgung gehört bei einer offenen Wundbehandlung das wiederholte Austasten der Wunde und eine regelmäßige lokale Reinigung durch Sitz- oder Duschbäder.
ÄRZTLICHE PRAXIS: Zertifizierte Fortbildung
Proktologische Erkrankungen
Dr. med. Matthias Kemmerling, Facharzt für Chirurgie, Visceralchirurgie und Proktologie, früher Oberarzt der Chirurgischen Klinik II, Koloproktologie, Raphaelsklinik Münster
Dr. med. Franz Raulf, Chefarzt Chirurgie, Koloproktologie, Raphaelsklinik Münster.
in Zusammenarbeit mit der Landesärztekammer Westfalen-Lippe und MEDICA Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Medizinischen Diagnostik e. V.,
auch als PDF-Download (206 KB) und bei www.aerztlichepraxis.de

